PflegePlus: Was Mitarbeiterbindung in der Pflege wirklich stärkt

PflegePlus: Was Mitarbeiterbindung in der Pflege wirklich stärkt

Die Abschlussveranstaltung des Projekts „PflegePlus: Innovative Mitarbeiterbindung“ fand am 15. Juni in den Räumen der ENO in Görlitz statt.

Hier wurden die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt und durch einen Vortrag von Prof. Dr. Matthias Schmidt (Hochschule Zittau/Görlitz) zum BASA-Verfahren (Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen – Screening für Arbeitsplatzinhaber) ergänzt. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand dabei die Frage, wie psychische Belastungen am Arbeitsplatz besser erkannt und beurteilt werden können.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie eng Mitarbeiterbindung, Arbeitsorganisation und psychische Gesundheit zusammenhängen. Genau diesen Zusammenhang hatte das Projekt in den vergangenen zwei Jahren im Landkreis Görlitz untersucht und mit praxisnahen Ansätzen bearbeitet.

Die ENO mbH führte das Vorhaben als regionaler Projektträger gemeinsam mit den Praxispartnern BeWo – Betreutes Wohnen gGmbH und Diakonie St. Martin durch. Innerhalb der ENO waren Sandra Bardely als Projektleiterin, Philipp Lehmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Katarzyna Krzyżanowska als Mediengestalterin und Isabell Klette als Ansprechpartnerin für das Netzwerk Lausitz Vital beteiligt.
Aus Befragungen, Workshops und einer Erprobungsphase entstand ein Leitfaden (verfügbar ab 07/2026), der Pflegeeinrichtungen beim Einstieg in konkrete Verbesserungen unterstützt. Der Leitfaden empfiehlt, nicht alles auf einmal verändern zu wollen. Sinnvoller ist es, mit einem spürbaren Thema zu beginnen, Verantwortlichkeiten und den Zeitumfang klar festzulegen und die Wirkung regelmäßig zu überprüfen. So entstehen kleine, aber tragfähige Verbesserungen im Arbeitsalltag.
Die Leitfrage lautet deshalb nicht: „Wie lösen wir alles sofort?“, sondern: „Welche kleine Veränderung entlastet unser Team in den nächsten vier bis acht Wochen spürbar?“ Genau dieser pragmatische Ansatz macht das Projekt auch für andere Einrichtungen anschlussfähig.

Was Beschäftigte in der Pflege bewegt
Ein zentraler Baustein des Projekts war die regionale Befragung von Pflegekräften zwischen Juli und September 2024. Insgesamt gingen 105 Fragebögen ein, 98 Datensätze konnten ausgewertet werden. Die Teilnahme war anonym, freiwillig und in sechs Sprachen möglich.
Die zentralen Ergebnisse der Befragung lassen sich auf wenige Kernaussagen verdichten: Viele Beschäftigte identifizieren sich mit ihrer Arbeit und erleben sie als sinnvoll, gleichzeitig bestimmen aber Dienstplanung, Führung, Kommunikation, Teamklima und Arbeitsbelastung ganz wesentlich, ob sie zufrieden sind und im Betrieb bleiben wollen.

Fünf Felder für Bindung
Aus den Ergebnissen wurden fünf zentrale Handlungsfelder abgeleitet: Arbeitsorganisation und -planung, Arbeitsbedingungen und Ressourcen, Motivation und Anerkennung, Wohlbefinden und Gesundheit sowie Kommunikation und Teamkultur. Diese Bereiche greifen ineinander und wirken gemeinsam auf die Arbeitszufriedenheit.
Besonders wichtig waren den Beschäftigten eine strukturierte Einarbeitung mit Buddyprogramm sowie eine Dienstplanung, die nachvollziehbar, fair und rechtzeitig erfolgt. Auch mehr Beteiligung, wertschätzende Führung und eine bessere Abstimmung im Team wurden häufig genannt.

Praxis statt Theorie
In der Erprobungsphase wurden Maßnahmen in Einrichtungen wie dem Pflegezentrum „Am Spreepark“ der BeWo in Neusalza-Spremberg und mehreren Häusern der Diakonie St. Martin getestet. Im Mittelpunkt standen Kommunikationsworkshops, die gemeinsame Entwicklung von Teamregeln sowie der Umgang mit Fehlern und die gegenseitige Wertschätzung zwischen Kolleginnen und Kollegen sowie der Führungsebene.
Die Erfahrungen zeigen: Gute Ansätze wirken dann, wenn sie gemeinsam entwickelt und im Alltag verankert werden. Einmalige Workshops reichen dafür nicht aus. Besonders wirksam waren Formate, in denen Teams konkrete Alltagssituationen bearbeiteten und Veränderungen Schritt für Schritt erprobten.

Praktische Maßnahmen für eine starke Mitarbeiterbindung

Diese Maßnahme wird mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes mitfinanziert.

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